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BeitragVerfasst: Di 3. Feb 2009, 23:12
BenutzeravatarModeratorModeratorRegistriert: Di 23. Sep 2008, 22:13Beiträge: 174Wohnort: CH - Uetendorf
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Mit freundlicher Erlaubnis von Pierre-Laurent Haesler (Text von Caroline Junier und Pierre-Laurent Haesler).

Das Ruckers-Cembalo von Neuchâtel

Das Musée d’Art et d’Histoire von Neuchâtel (dt. Neuenburg, Schweiz, Kanton Neuchâtel) besitzt ein außergewöhnlich kostbares und wertvolles Cembalo, welches das Zeichen Ioannes Ruckers trägt und mit 1632 und 1745 datiert ist.

Die Anfänge der berühmten Ruckers-Dynastie liegen um 1579 in Antwerpen bei Ioannes Ruckers, d. Ä. Sein Sohn Ioannes Ruckers, d. J., hat das Instrument von Neuchâtel gebaut. Die Antwerpener Ruckers-Schule war so bekannt, dass noch hundert Jahre nach Schließung der Familien-Werkstatt gefälschte Instrumente gebaut wurden.

Das Cembalo des Musée d’Art et d’Histoire besaß ursprünglich ein Manual mit 45 Tasten, eine kurze Oktave C/E im Bass und verfügte über zwei Register, ein Register auf Achtfuß-Basis (klingend wie notiert) und ein Vierfuß-Register (eine Oktave höher klingend als notiert).

1745 wurde dies erste Instrument in Paris grundlegend restauriert. Die im 18. Jahrhundert übliche Praxis des Ravalement bestand darin, viele der großen Instrumente des 17. Jahrhunderts, vor allem die von Ruckers, zu bearbeiten und dem damaligen Geschmack anzupassen. Dabei wurde das Instrument von Neuchâtel beträchtlich erweitert: Zwei Manuale à 58 Tasten und insgesamt drei Register (zwei 8' und ein 4'-Register) standen nun zur Verfügung. Der grand ravalement wurde von hochqualifizierten Pariser Instrumentenbauern durchgeführt, deren genaue Identität allerdings nicht immer gesichert ist. Während des gesamten Prozesses wurden die ursprünglichen guten Eigenschaften vollständig erhalten. Vom Originalinstrument sind noch ein großer Teil der gebogenen Wand erhalten, des Resonanzbodens, der Deckel und des Bodens. Das Ur-Instrument ist also in gewisser Weise vollständig im großen französischen Cembalo des 18. Jahrhundert aufgegangen.
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BeitragVerfasst: Di 3. Feb 2009, 23:15
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Dekoration

Die ursprünglichen Verzierungen des Cembalos sind nahezu vollständig beim großen Umbau von 1745 verloren gegangen. Nur einige Motive sind heute noch sichtbar. Die Malereien im Inneren des Deckels und der Deckelklappe wurden erhalten und wurden sehr geschickt retouchiert und ergänzt, wo nötig. Die Qualität der dargestellten Landschaft mag diese Rettung erklären. Der Resonanzboden, mit Arabesken verziert und mit Blumen, Früchten und kleinen Garnelen reich übersät, ist neu vermessen worden und vermutlich nach dem ursprünglichen Modell neu bemalt, nachdem die Rosette notwendigerweise versetzt worden war. Es handelt sich hierbei also auch heute noch um die Original-Rosette, die aus dem Monogramm von Ioannes Ruckers besteht, das sich um einen Harfe spielenden Engel schlingt.

Pedal und Außenbemalung stammen vollständig aus dem 18. Jahrhundert. Fabeln von Jean de la Fontaine, durch Rankenwerk geordnet und belebt, wurden mit Hilfe eines Verfahrens, das sich Vernis Martin (Martins-Lack) nannte, auf Blattgold aufgetragen. Das Dekor, an den französischen Geschmack angepasst durch die Fabeln und durch eine Technik, die um 1730 in Paris entwickelt worden war, imitiert japanische und chinesische Lackmalereien.

Das Cembalo des Museums ist ein wunderbares, intaktes und für Neuchâtel seltenes Musterbeispiel französischer Handwerkskunst aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, als Chinoiserien hoch im Kurs standen.
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BeitragVerfasst: Di 3. Feb 2009, 23:17
BenutzeravatarModeratorModeratorRegistriert: Di 23. Sep 2008, 22:13Beiträge: 174Wohnort: CH - Uetendorf
Restauration

Jahrzehnte lang wurde das Instrument, das in einem der Museums-Säle ausgestellt war, nicht mehr gespielt. 1985 wurde es bedeutenden Pariser Spezialisten anvertraut. Reinhard von Nagel, Cembalobauer und -restaurator von weltweitem Ruf, leitete die Arbeiten gemeinsam mit dem Kunsttischler Germond, dem Lackspezialisten Simmonneau, dem Vergolder Gohard und mit Mrs. Sheridan Germann aus Boston, die den Resonanzboden restaurierte.

Restaurator schloss seinen Bericht mit den Worten: „Der Stand von 1745 ist in keiner Weise angetastet worden. Die Restauration ist mit dem größten Respekt gegenüber den ursprünglichen Intentionen des Instrumentenbauers durchgeführt worden.“

Diese wunderbare Restauration, zu zwei Dritteln vom Rotary-Club Neuchâtel bezahlt, gab dem Cembalo all seinen Glanz und natürlich vor allem seine außerordentlich warme Stimme wieder, die es von jeher auszeichnete. Und damit vollzog sich also auch für „das Ruckers“ ein Wandel von einem raumfüllenden, manchmal sogar nur noch sperrigen Möbelstück zu einem echten Musikinstrument.
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BeitragVerfasst: Di 3. Feb 2009, 23:19
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Konzerte

„Das Ruckers“ von Neuchâtel glänzt von nun an nicht nur durch historischen, sondern auch durch musikalischen Wert. Zum ersten Mal in der Musikgeschichte entsteht ein Interesse für alte Instrumente, für alte Musik – und zwar mehr und mehr! Musikwissenschaftliche Recherchen haben eine Vielzahl an Dokumenten (Noten, Abhandlungen, Berichte von Zeitzeugen) zu Tage gebracht, die eine völlig neue wissenschaftlich-empirische Basis für musikalische Betätigung bilden. Die Interpretation von bedeutenden Werken des Repertoires (Mozart, Händel, Bach etc.) hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Gereinigt vom romantischen Überschwang des 19. Jahrhunderts, finden sie nun ihre ursprüngliche Sprache wieder.

Die Suche nach ihrer Authentizität ist auch eine Suche nach instrumentalen und vokalen Techniken der Vergangenheit. Und, nicht zu vergessen: die Wiederentdeckung von Klangfarben und Möglichkeiten alter Instrumente.

Genau darum muss auf dem Cembalo des Musée d’Art et d’Histoire Musik gemacht werden. So trägt es seinen Teil dazu bei, vergessenes Repertoire und alte Techniken wieder zu entdecken.
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BeitragVerfasst: Di 3. Feb 2009, 23:20
BenutzeravatarModeratorModeratorRegistriert: Di 23. Sep 2008, 22:13Beiträge: 174Wohnort: CH - Uetendorf
Dichtung oder Wahrheit darüber, wie die Familie de Montmollin zu ihrem Cembalo gekommen ist.

Im Jahr 1844 kam das Instrument ins Musée d’Art et d’Histoire von Neuchâtel, als Stiftung der ortsansässigen Familie de Montmollin. Die Überlieferung sagt, das Instrument habe Marie-Antoinette gehört, Königin von Frankreich und Frau von Ludwig XVI. Marie- Antoinette nun habe das Cembalo einer ihrer Ehrenjungfern geschenkt, nämlich einem Fräulein von Trémauville, die mit Georgesde Montmollin verlobt war. Dieser, zu jener Zeit Unterleutnant bei der Schweizer Garde und Soldat im Dienste des Königs, fiel während des Tuilerien-Aufstands am 10. August 1792. Daraufhin habe das Fräulein von Trémauville das besagte Cembalo der Familie de Montmollin vermacht.
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BeitragVerfasst: Di 3. Feb 2009, 23:22
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und zum schluss noch einen Blick auf die Wirbel und die Springer...

lg
key
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BeitragVerfasst: So 8. Feb 2009, 21:32
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Und ich durfte nicht mitkommen!! :cry:



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Man darf nur die rechten Tasten zur rechten Zeit treffen, so spielt das Instrument von selbst.
Johann Sebastian Bach
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BeitragVerfasst: Mo 9. Feb 2009, 00:15
BenutzeravatarStudentStudentRegistriert: Mi 15. Okt 2008, 13:14Beiträge: 12
sieht toll aus - danke für den Eintrag :)


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BeitragVerfasst: Di 10. Feb 2009, 09:43
BenutzeravatarModeratorModeratorRegistriert: Di 23. Sep 2008, 22:13Beiträge: 174Wohnort: CH - Uetendorf
hier übrigens noch der link zum museum (besten dank an Fritz Sebald):

Musée d'Art et d'Histoire, Neuchâtel

da kann man sich auch über die konzertreihe "Concerts autour du Ruckers 2009" informieren.

lg
key



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BeitragVerfasst: Mi 11. Feb 2009, 20:18
BenutzeravatarAssistentAssistentRegistriert: Sa 4. Okt 2008, 16:19Beiträge: 42
Kann man das Instrument "einfach so" spielen? Oder muss man da Beziehungen haben...


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